BLUTEN 1

        (ODOLETAN 1)

 

«Ich blute» schmiere ich mit den Fingern auf den Spiegel.

Ich blute, doch fühle ich mich deshalb nicht weiblicher.

Voll Straßen sind die Gerüche,

Rauch steigt unter den Steinen auf.

Die Dächer stehen in Flammen,

der Himmel ist eine errötete Wange beim Vorüberziehen,

aus den Zeigern tropfen blutige Sekunden,

verschämt fallen die Blätter, wenn sie berührt werden.

Auch die Erde, die meine Füße trägt, blutet,

aus dem Bauch, der ihn hervorgebracht, fließt

der Strom, dem mein Inneres nicht mehr duldet.

Und ich weiß nicht, warum ich zurückweisen soll,

was ich bin: eine Frau, die blutet.

 

 

© Leire Bilbao
© ‹bersetzung: Gabriele Schwab


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